Mein Praktikum bei Bain & Company

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12 Monate, 10 Bachelorabsolvent:innen, 4 Praktika – so lässt sich das Gap Year Programm ‘The Power of 4’  zusammenfassen, an dem ich seit Anfang September teilnehme. Innerhalb eines Jahres werde ich in vier unterschiedlichen Unternehmen als Strategieberaterin arbeiten und somit Zukunftsfragen verschiedener Branchen kennenlernen. Aufgrund meiner persönlichen Interessen lege ich dabei den Fokus auf die Themen Digitalisierung und Tech, die für alle Branchen äußerst zukunftsrelevant sind. Bereits bei meinem ersten Praktikum bei Bain & Company durfte ich an einem spannenden Projekt im Bereich Technology Strategy & Transformation arbeiten. Welche Aufgaben ich hatte und wie mir das Praktikum bei Bain gefallen hat, erzähle ich in diesem Erfahrungsbericht.

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Digitalisierung spielt in 70% der Strategieprojekte von Bain eine Rolle

Bain & Company zählt zu den drei führenden Unternehmensberatungen der Welt. Die über 9.000 Mitarbeitenden in 38 Ländern beraten Unternehmen aus allen Branchen in vielfältigen Strategiethemen. Hierbei nimmt Tech und Digitalisierung einen immer wichtigeren Teil ein, da rund 70% aller Strategieprojekte inzwischen im weiteren Sinne etwas mit Digitalisierung zu tun haben. Bain ist dabei aber keine IT-Beratung, die für Unternehmen die technische Implementierung von Technologien übernimmt, sondern unterstützt die Unternehmen unter anderem bei der Frage, wie Technologie strategisch für den Unternehmenserfolg eingesetzt werden kann. Die wachsende Bedeutung von Technologie und Daten spiegelt sich auch in der Struktur bei Bain wider. Mit vector hat die Beratung eine Einheit geschaffen, die sich auf Automatisierung, Machine Learning und Data Mining spezialisiert hat, um technische Innovationen und die digitale Transformation gezielt voranzubringen. Auch der Bereich Technology Strategy & Transformation wächst weiter und untergliedert sich in folgende Bereiche:

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● Technology Systems & Architecture
● Technology Operating Model
● Cyber Security
● Technology Cost Transformation
● Technology M&A

Das Ziel unseres Projektes war der Aufbau einer modernen und effizienten IT-Architektur

Mein Projekt war in dem Bereich Technology Systems & Architecture angesiedelt. Im Rahmen einer Ausgliederung einer Abteilung unseres Kunden ist ein neues Unternehmen entstanden, für das wir die Transformation und den strategischen Aufbau der neuen IT-Architektur unterstützt haben. Im Fokus stand dabei das ERP (Enterprise Resource Planning) System, das den Kern der IT-Architektur eines Unternehmens darstellt.

Ich war im ersten Moment vor allem von der Komplexität überwältigt – das Mutterunternehmen hatte über 1500 Apps in Benutzung, und für alle musste eine Lösung für das neue Unternehmen gefunden werden. Führt man sich die Prozesse eines Unternehmens vor Augen, wird das Ausmaß schnell deutlich: Gehälter, Steuern, Reisebuchungen – nahezu alle Prozesse eines Unternehmens werden inzwischen von IT-Applikationen durchgeführt oder unterstützt. Gerade bei etablierten Unternehmen hat sich durch das ständige Hinzufügen neuer Applikationen über Jahrzehnte hinweg eine komplexe Struktur entwickelt und diese unterscheidet sich oft sogar von Land zu Land. Unser Ziel war es nun, für das neu entstehende Unternehmen eine Strategie zu entwickeln, um eine simplere, effizientere und modernere IT-Architektur aufzubauen. Da hierfür auch die Business Prozesse transformiert werden müssen und die Umsetzung sowohl von einem IT-Anbieter als auch einem Systemintegrator unterstützt wurden, hatten wir mit einer komplexen Konstellation aus verschiedenen Stakeholdergruppen zu tun.

Die Ausgangssituation verstehen und eine passende Lösung entwickeln

Aufgrund der Komplexität bestand ein großer Teil unserer Arbeit darin, erst einmal die Ausgangssituation zu analysieren und zu verstehen. Daher haben wir sehr eng mit unserem Kunden zusammengearbeitet, um die notwendigen Informationen zusammen zu tragen. Ich habe hierfür die Kundenworkshops sowohl inhaltlich vorbereitet als auch die Präsentationen erstellt. Slides bauen (also PowerPoint Präsentationen erstellen) sowie die Datenanalysen in Excel zählen auf jeden Fall zu den Grundaufgaben aller Praktikant:innen bei Bain.

Der wohl wesentlichste Teil unserer Arbeit war die Problemlösung. Eine so große Transformation in so kurzer Zeit wurde vorher selten durchgeführt. Es gab also keine Lösung, die wir als Beispiel verwenden konnten.

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Die Schwierigkeit lag zudem darin, dass zwar viele Mitarbeitende des Unternehmens sehr viel Wissen in ihrem eigenen Bereich hatten, aber niemand so wirklich den Überblick hatte. Auch wir standen immer wieder vor der Herausforderung, dass wir dachten einen guten Weg gefunden zu haben, und dann wieder ein neuer Aspekt aufgetaucht ist, den wir vorher nicht berücksichtigt hatten. Wir haben daher sowohl intern in unserem Team als auch mit Expert:innen sowie dem Kunden zahlreiche Arbeitssitzungen durchgeführt, um alle Bausteine zu verstehen und somit eine gute Strategie und Roadmap entwickeln zu können. Bei all diesen Meetings durfte ich teilnehmen und es gehörte definitiv zu meinen Highlights dazu beizutragen, wie sich Stück für Stück das Puzzle zusammengesetzt hat.

Einhergehend mit den vielen relevanten Themen für das Projekt war auch die interne Planung ein wesentlicher Teil meiner Aufgaben. Was sind die Ziele und wichtigsten Kundendokumente der Woche? Was sind die wesentlichen Meetings? Diese Planung habe ich sowohl am Ende der Woche für die kommende Woche als auch jeden Morgen vorbereitet. Im Anschluss haben wir dann mit unseren Senior Managern die Prioritäten festgelegt.

Bain Oktoberfest
München
Züricher Büro
Munich Rooftop Opening
München
Münchner Büro
Voriger
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Der Beruf als Unternehmensberater:in hat viele Vorteile, ist aber auch ein großes Commitment

In einer großen Unternehmensberatung zu arbeiten, bringt viele Vorteile mit sich. Gleichzeitig hat der Beruf als Berater:in aber auch seinen Preis. Wie man die Möglichkeiten bewertet, hängt daher stark von den eigenen Präferenzen ab. Mir persönlich hat sowohl die Tätigkeit als Unternehmensberaterin als auch die Kultur von Bain sehr gut gefallen. Dazu haben neben meinen zuvor genannten Erfahrungen bei Bain viele verschiedene Faktoren beigetragen.

Als Berater:in bei Bain arbeitet man an Projekten, die für die Unternehmen besonders zukunftsrelevant sind. Es gibt kaum ein anderes Umfeld, in dem man bereits als Berufseinsteiger:in solche Einblicke bekommt und mit den Führungskräften von großen Konzernen an einem Tisch sitzt. Für mich ist dies einer der wichtigsten Vorteile. Einen Artikel über unser Projekt im Handelsblatt zu lesen, gehörte zu den Highlights meines Praktikums.

Auf die Zukunft der Kunden hat man als Berater:in definitiv einen großen Einfluss. Einen Beitrag zum Erfolg des Unternehmens zu leisten und den Impact oft direkt zu sehen, ist für mich ein großer Motivationsfaktor. In Bezug auf den gesellschaftlichen Impact fällt meine Bewertung etwas gemischter aus. Es gibt Projekte, in denen du als Berater:in zur Digitalisierung oder Nachhaltigkeit beiträgst und auch die Innovationsfähigkeit von Unternehmen kann von Beratungen verbessert werden. Zudem gibt es Pro-Bono Projekte, die gezielt einen Beitrag zur Gesellschaft leisten. In vielen Projekten steht aber auch ausschließlich die Wirtschaftlichkeit und Gewinnmaximierung im Vordergrund. Beispielsweise in einem Climate Tech Start-Up wäre dein gesellschaftlicher Impact vielleicht größer. Hier kommt es stark darauf an, wie du selbst deine Zeit bei Bain gestaltest und auf welchen Projekten du arbeitest.

Vermutlich einer der meistgenannten Vorteile ist die Lernkurve – zu Recht: Du lernst sehr viel in sehr kurzer Zeit. Bereits in meinem zehn-wöchigen Praktikum habe ich unglaublich viel gelernt – sowohl inhaltlich über die IT-Architektur eines Unternehmens als auch in Bezug auf Fähigkeiten wie Problemlösung, Kommunikation und strukturiertes Denken. In Verbindung mit dem vorherigen Punkt Impact kannst du diese Fähigkeiten natürlich im Anschluss an deine Tätigkeit als Berater:in weiter nutzen. Es ist inzwischen durchaus üblich nach einigen Jahren in der Beratung in ein Start-Up zu wechseln oder selbst zu gründen. Grundsätzlich verbessern einige Jahre Berufserfahrung in einer führenden Beratung deine Berufschancen in sehr vielen Bereichen. Auch eine Karriere in der Beratung selbst kann ein attraktiver Weg sein.

Für mich der mit Abstand wichtigste Vorteil sind die Teamkolleg:innen. Alle Mitarbeitenden von Bain, die ich kennenlernen durfte, waren extrem motiviert, intelligent und gleichzeitig sehr hilfsbereit. Gerade da man sehr viel Zeit mit den Arbeitskolleg:innen verbringt, finde ich es unglaublich wichtig, mich mit Menschen zu umgeben, die mich motivieren besser zu werden und mit denen ich auch bei der Arbeit Spaß haben kann. Das war während meines Praktikums absolut gegeben. Sowohl von meinem Workstream als auch vom gesamten Case Team wurde ich stets unterstützt und konnte jede:n um Hilfe bitten. Gleichzeitig konnten wir auch in stressigen Phasen stets lachen und lustige Memes gehörten zu jedem Meeting quasi dazu. Auch privat haben wir uns gut verstanden und bei den zahlreichen Events und Case Team Dinnern hat es sich bereits nach kurzer Zeit angefühlt, als wäre ich mit Freunden unterwegs.

Ein Umfeld solch intelligenter Menschen bringt natürlich auch einen gewissen Druck mit sich. Die Anforderungen in einer Beratung sind hoch und es wird erwartet, dass du dich stetig weiterentwickelst. Zudem ist es in einer Gruppe sehr ehrgeiziger Menschen schwieriger positiv aufzufallen und die häufigen Feedbackgespräche verstärken das Gefühl, stets 100% geben zu müssen. Man steht allerdings nicht in direkter Konkurrenz zu den Arbeitskolleg:innen, da nicht nur eine Person, sondern alle nach Leistung befördert werden. Dass hierdurch absolut keine Ellenbogenmentalität herrscht, hat mich durchaus positiv überrascht. Der Leistungsdruck ist daher eher ein persönlicher Punkt. Ich neige dazu, mich mit anderen zu vergleichen, wodurch ich mir in einem Beratungsumfeld vor allem selbst Druck mache. Für eine längere Zeit in der Beratung wird es für mich daher wichtig sein, hier noch etwas gelassener zu werden.

Verschiedene Branchen, verschiedene Länder, verschiedene Teams. In der Beratung ist die Abwechslung so groß wie in kaum einem anderen Beruf. Da ich sehr viele verschiedene Interessen habe, ist dieser Aspekt für mich ein klarer Vorteil. Gleichzeitig bietet Bain auch die Möglichkeit, sich bewusst auf einen Bereich zu fokussieren. So hatte ich bereits in meinem Praktikum die Möglichkeit, auf einem IT-Projekt zu arbeiten.

Der wohl größte Trade-off sind die Arbeitszeiten. Unter der Woche war ich selten vor 22 Uhr aus dem Büro raus und es kann durchaus auch mal später werden. Feierabend um 20 Uhr gilt dann schon als ‘Early night’. Für Freunde, Hobbies und Partnerschaft bleibt da einfach wenig Zeit. Hinzu kommt die Reisetätigkeit, sodass der Morgen auch schon mal um 5:00 Uhr startet. Immerhin die Wochenenden waren tatsächlich immer frei und mir ist es auch gut gelungen, wirklich abzuschalten. In der Beratung ist zudem ein klarer Wandel zu erkennen. Es ist noch nicht lange her, dass es eher der Standard als die Ausnahme war, bis nach 0 Uhr zu arbeiten. Inzwischen ist es immerhin die Zielvorgaben, nicht nach 22 Uhr zu arbeiten und auch die Flexibilität ist durch Home Office deutlich größer geworden. Meiner persönlichen Meinung nach werden lange Arbeitszeiten in der Beratung aber noch immer zu sehr als Statussymbol gesehen und die negativen Auswirkungen auf die mentale und physische Gesundheit sowie die Produktivität unterschätzt. Ich hoffe daher, dass der Wandel weiter geht und Beratungen die Arbeitszeiten weiter kritisch hinterfragen. In einigen Ländern wie den Niederlanden und auch in Skandinavien ist dieser Wandel schon deutlich weiter fortgeschritten.

Der Grund, diese Arbeitszeiten in Kauf zu nehmen, ist neben den zahlreichen genannten Vorteilen auch der Lifestyle. Bain tut sehr viel dafür, das Beraterleben so angenehm wie möglich zu gestalten. Nahezu alle anfallenden Kosten werden von Bain übernommen und das auf einem sehr hohen Standard – schöne Hotels und gutes Essen gehören ebenso dazu wie ausgiebige Events und Partys. Hier hatte ich das Glück, dass während meines Praktikums alles wieder stattfinden durfte und ein gewisser Nachholbedarf bestand. Von einer Rooftop Party über das Bain Oktoberfest war alles dabei. Auch das Gehalt ist natürlich ein Pluspunkt, da es deutlich über den durchschnittlichen Einstiegsgehältern liegt.

Das Projektgeschäft bringt viel Flexibilität mit sich. Es ist beispielsweise möglich, 2 Monate am Stück freizunehmen, um zu Reisen. Auch unterstützt Bain den sogenannten Leave, in dem man einen MBA oder eine Promotion machen kann. Ebenso kann man soziale Projekte unterstützen oder in einem sogenannten Externship Einblicke in einen ganz anderen Bereich bekommen. Temporäre oder dauerhafte Wechsel in ein anderes Büro machen es zudem möglich, nahezu überall auf der Welt arbeiten zu können. Generell hatte ich bereits in meinem Praktikum das Gefühl, dass Bain sehr auf die individuellen Bedürfnisse eingeht und versucht, fast alles möglich zu machen.

Consulting war lange ein reiner Männerberuf. Erst vor ca. 20 Jahren hat ein breites Umdenken begonnen. Inzwischen hat sich das Bild gewandelt und insbesondere die großen Unternehmensberatungen stellen auf dem Einstiegslevel heute nahezu 50% Frauen ein. Auch bei Bain habe ich ein klares Commitment zu diesem Ziel empfunden. Sowohl Recruitingevents gezielt für Frauen als auch interne Netzwerke wie Women@Bain wurden ins Leben gerufen. Zudem hat ein Partner sich viel Zeit für mich genommen und interessiert meine Impulse aufgenommen, wie Unternehmensberatungen auch mehr Frauen aus MINT Fächern gewinnen könnten. Denn das ist eines der nach wie vor bestehenden Herausforderungen – auf den IT Projekten ist der Frauenanteil häufig recht gering. Auf meinem Projekt war ich neben meiner Senior Managerin die einzige Frau. Da diese in der Regel nicht in Zürich vor Ort war, habe ich den Großteil meiner Zeit mit acht Kollegen verbracht. Hierbei habe ich mich aber weder während der Arbeit noch bei gemeinsamen Team Events unwohl oder anders behandelt gefühlt. Insgesamt ist daher mein Fazit, dass die Richtung stimmt, aber es noch viel zu tun gibt. Gerade auf Leitungsebene bin ich fast ausschließlich männlichen Partnern mit weiblichen Sekretärinnen begegnet. Hier muss Consulting sich weiter wandeln, um Frauen auch langfristig zu halten.

Mein persönliches Fazit

Ich würde ein Praktikum bei Bain & Company jederzeit wieder machen. Auch kann ich mir vorstellen, nach meinem Master fest bei Bain einzusteigen. Denn trotz des notwendigen Commitments überwiegen für mich die Vorteile – zumindest für die ersten Jahre im Berufsleben. Ein besonderer Pluspunkt ist für mich, dass ich die Digitalisierung in sehr vielfältigen Facetten mitgestalten kann. Es bleibt dabei aber eine individuelle Entscheidung und ich würde allen empfehlen, in einem Praktikum auszuprobieren, ob die Arbeitszeiten und hohen Anforderungen der Projektarbeit zu den eigenen Vorstellungen passen. Für mich ist es daher auch ein großer Wert des Gap Year Programmes, dass ich nun noch drei weitere Unternehmenskulturen kennenlernen kann. Natürlich werde ich meine Erfahrungen bei den drei anderen Praktika ebenfalls hier teilen. Als nächstes geht es für mich zum Center for Strategic Projects der Deutschen Telekom, wo ich an einer Marktstrategie zum Glasfaserausbau in Deutschland arbeiten werde. 

Falls dich das Thema Consulting interessiert, schau gern auf meinen Erfahrungsbericht über mein Praktikum bei BwConsulting oder lies in unseren Karrieretipps nach, worauf es auf dem Weg zum Berufseinstieg ankommt.