Frauen in der Informatik

Das in der Tech-Branche zu wenig Frauen arbeiten ist nichts Neues. Nicht einmal 20% der IT-Studierenden sind weiblich. So weit, so schlecht. Doch war das schon immer so? Was sind die Gründe für so wenig Frauen in der Informatik und warum ist es so problematisch, dass es so wenig IT-Expertinnen gibt? Wir haben dir die wichtigsten Fakten zusammengestellt.

Frauen und Informatik - Geschichte

Im Jahr 1987 lag der Frauenanteil unter den Softwareentwicklern in den USA bei 42 %. Heute sind nur noch 5% der Softwareentwickler:innen weiblich. Dabei galt Programmieren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als “Frauenberuf”. Man hielt es für eine leichte Bürotätigkeit. Die amerikanische Cosmopolitan in den sechziger Jahren zeigt Ann Richardson, Programmiererin bei IBM. Die Frauenzeitschrift schreibt:  „Man muss vorausplanen und alles so terminieren, dass es fertig ist, wenn man es braucht. Das geht nur mit Geduld und dem Blick für Details. Frauen sind Naturtalente im Programmieren.“ Erst nach und nach transformierte die Informatik zu einem männlichen Fach mit hohem Status und wissenschaftlicher Bedeutung.

Dabei waren es auch schon damals Frauen, die technische Innovationen entwickelten. Ada Lovelace entwickelte den ersten Algorithmus, bevor es überhaupt Computer gab. Grace Hopper entwickelte den ersten Compiler (A-0): ein Programm, das Quellcode (Programmcode in für Menschen lesbarer Form) in Maschinencode übersetzte.

Frauen und Informatik - Heute

34.600 Menschen haben 2018 das Informatikstudium an einer deutschen Hochschule erfolgreich beendet – davon waren aber nur 7.600 Frauen. Kleine Erfolge gibt es aber doch: Vom Wintersemester 1999 bis zum Wintersemester 2018 hat die Anzahl der Studienanfängerinnen um 5% Prozent zugenommen.

Afrikanische und südamerikanische Länder weisen in der Informatik Frauenanteile von 40 Prozent und mehr auf. Das liegt an dem sogenannten Gender-Equality-Paradox. In Ländern wie Indien, Iran oder dem Oman, in denen Frauen nicht gleichberechtigt sind, erkennen Frauen eher, dass sie sich durch ein technisches Studium gesellschaftlich weiterentwickeln können und bessere Verdienstmöglichkeiten erhalten. In Ländern, in denen Frauen finanziell abgesichert sind, entscheiden sich Frauen eher für soziale und dienstleistungsorientierte Berufe.

Frauen in der Informatik

Trotz des geringen Frauenanteils in der Informatik, gibt es einige namenhafte Frauen, die du kennen solltest und die dich inspirieren können: 

Marissa Ann Mayer
Marissa Ann Mayer ist eine US-amerikanische Informatikerin und Managerin. Sie studierte Informatik an der Stanford University. Bei Google begann sie Anfang 1999 als erste Technikerin. Sie war die 20. Mitarbeiterin bei Google. Sie wurde sogar Vice President bei Google. Anschließend war sie bis 2017 CEO von Yahoo. 2008 zählte sie zu den 50 mächtigsten Frauen.
Constanze Kurz
Constanze Kurz ist eine deutsche Informatikerin und Sprecherin des Chaos Computer Clubs (CCC). Dieser ist die größte europäische Hackervereinigung und seit über dreißig Jahren Vermittler im Spannungsfeld technischer und sozialer Entwicklungen.
Dorothea Wagner
Dorothea Wagner ist deutsche Informatikerin. Sie ist Dozentin am KIT und Vorsitzende des deutschen Wissenschaftsrates.
Jade Raymond
Jade Raymond ist eine kanadische Videospiel-Produzentin. Sie ist bekannt für die Produktion von Assassin’s Creed. Sie arbeitete unter anderem für Sony, Ubisoft und Google. Anfang 2021 gründete sie ein eigenes Entwicklerstudio.
Grace Hopper
Grace Hopper war eine US-amerikanische Informatikerin. Sie studierte Mathematik und Physik am Vasser College, dem ältesten Women College der USA. 1951 entwickelte sie den ersten Compiler. Schon in den 40er Jahren hatte sie die Vision, Computerprogramme in einer verständlichen Sprache zu verfassen statt nur mit Einsen und Nullen. Aus diesen Ideen entstand dann ihre Programmiersprache COBOL. Auch der Begriff “Bug” (Software-Fehler) ist auf Grace zurückzuführen.
Ada Lovelace
Ada Lovelace war eine britische Mathematikerin. Sie erkannte das Potenzial einer Erfindung, die eigentlich als Rechenmaschine dienen sollte und entwickelte schon um 1840 das erste Programm für einen Computer. Sie erkannte, dass die Maschine jegliche Informationen verarbeiten könnte und wird somit zur Mitbegründerin der Informatik. Sie gilt als erste Programmiererin der Welt.
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Warum ist es problematisch, dass es so wenig Frauen in der Informatik gibt?

MINT-Studiengänge sind bei Studierenden allgemein sehr beliebt und vor allem auf dem Arbeitsmarkt sind MINT-Fachkräfte sehr gefragt. Im Zeitalter der digitalen Transformation wächst die Nachfrage stetig, da Informatik einer der Grundpfeiler der Digitalisierung ist. Informatiker:innen kommt daher eine besondere Rolle zu: Sie sind Treiber:innen des Wandels und maßgebliche Gestalter:innen der Gesellschaft von Morgen. Bleibt der Frauenanteil in den informatischen Studienfächern und Ausbildungen so gering, wird unsere Zukunft von (weißen) Männern gestaltet. Frauen werden kaum vom Bedeutungszuwachs, der steigenden Beschäftigungschance und der Einkommenssteigerung profitieren können. Somit werden auch Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen gefestigt und (unterbewusste) Verzerrungen in der zukünftigen Technik eingebaut. Der Mangel an weiblicher Perspektive könnte dazu führen, dass Ungleichheiten und Diskriminierungen sich in den Algorithmen wiederfinden. Für das Problem nicht divers entwickelter Technik gibt es unzählige Beispiele. Sprachassistenten wie Alexa erkennen männliche Stimmen besser als weibliche. Es gibt Gesichtserkennungssoftwaren, die erkennen weiße, männliche Gesichter besser. Am schlechtesten werden schwarze, weibliche Gesichter erkannt.

Welche Maßnahmen können helfen, dass sich mehr Frauen für Informatik entscheiden?

Obwohl große Beträge bereits in viele Initiative fließen wie “Komm, mach MINT”, steigen die Zahlen der Informatikerinnen nur langsam. Die Gründe für den niedrigen Frauenanteil in der Informatik sind vielseitig. Zunächst gibt es strukturelle und kulturelle Barrieren in unsere Gesellschaft. Es gibt immer noch klassische “Frauen- und Männerberufe”, die Kindern von klein auf an vorgelebt werden. Unsere Interessenbildung wird von unserem Umfeld geprägt und durch die Einstellungen unser Gesellschaft beeinflusst. Mädchen wird immer noch weniger in Mathematik zugetraut als Jungs. Schlimmer noch, eine schlechte Leistung in Mathematik wird der eigenen Unfähigkeit aufgrund des Geschlechts zugeschrieben. Daher brauchen Mädchen in ihrer Entwicklungsphase mehr Berührungspunkte mit MINT. Dadurch bilden sie mehr Wissen und Interesse in diesem Bereich aus. 

Auch das Berufsbild trägt maßgeblich zur Entscheidung bei. Dabei zeigt sich, dass junge Frauen kaum ein Bild von den Berufen im technischen Bereich haben und diese eher mit Isolation und wenig Kommunikation verbinden. Hier fehlt es vor allem an weiblichen Vorbildern, um die Berufsbilder positiv, erreichbar und motivierend zu färben. Auch fiktive Charaktere, z.B. in Filmen, fehlen jungen Frauen. Die Hacker in Filmen sind meist immer noch männlich und wohnen alleine in einer dunklen Wohnung. Diese Stereotyps führen sogar dazu, dass Frauen, die sich bereits für ein Informatikstudium entschieden haben, wieder herausfallen, weil sie das Gefühl haben, den Vorstellungen nicht zu entsprechen. Es ist ein hohes Selbstbewusstsein notwendig, ständig den kritischen Fragen zur eigenen Berufswahl zu begegnen, wenn man nicht dem Stereotyp der Gesellschaft entspricht. 

Weibliche Vorbilder sind daher besonders wichtig, um abstrakte Berufsbilder mit Leben zu füllen und die vielfältigen Möglichkeiten im Tech-Bereich aufzuzeigen. Dadurch können Stereotypen entkräftet werden und die Bedeutung von Informatik für die Gesellschaft und die Zukunft verdeutlich werden. Es fehlt aktuell auch noch an nahbaren Frauen, die in der Tech-Branche arbeiten, die nicht auch ihrer ganze Kindheit sich schon für Computer interessiert haben und Bestleistungen in Mathematik und Informatik hatten. 

Und auch die Lehrer:innen, Eltern und Bezugspersonen werden zu sogenannten Gatekeepern. Sie beraten in der Berufsentscheidung und beurteilen die Leistungen der jungen Frauen. Gatekeeper könnten das Interesse für Informatik wecken und dafür begeistern. Gerade die Begeisterung für MINT-Berufe sollte früh gefördert werden, da für die Identifikation mit dem technischen Bereich der Spaß an mathematischen Problemen wichtiger ist als die nominelle Leistung im Fach Mathematik.

Networking, weibliche Vorbilder und Einblicke in die Praxis sind die wichtigsten Faktoren, junge Frauen für die IT-Welt zu begeistern.

Auch wir wollen deshalb mit diesem Blog einen Beitrag leisten und Vorbilder sein, mit denen sich junge Frauen identifizieren können. Wir wollen unsere Begeisterung teilen. Du möchtest mehr über das Informatikstudium wissen oder an welcher Uni du Informatik studieren solltest? Folge uns auch gerne bei Instagram und erhalte so regelmäßige Inspiration.