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Ich hatte keinen Plan von Informatik: Greda über ihren Weg an der RWTH Aachen

Warum Durchhaltevermögen und Netzwerke der Schlüssel zum Erfolg im Informatikstudium sind

März 19, 2025

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Greda studiert Informatik an der RWTH Aachen, einer der besten Unis Deutschlands für dieses Fach. Dabei war Informatik zunächst gar nicht ihr Plan – und der Start war alles andere als einfach. Im Interview erzählt sie, wie sie mit Rückschlägen umgegangen ist, warum sie fast exmatrikuliert wurde und was sie heutigen Informatik-Studierenden rät.

Das ITgirl im Profil

Name: Greda Eshiba-Emir
Position: Studentin RWTH Aachen

Warum hast du dich für ein Informatikstudium entschieden und wie war dein Start an der RWTH Aachen?

Ich wollte eigentlich Dolmetscherin oder Architektin werden. Sprachen und Kunst waren meine Schwerpunkte in der Schule – Mathe habe ich gehasst. Doch dann gab es einen Moment, der alles verändert hat: Jemand aus meinem Umfeld hatte ein Problem, das ich unbedingt lösen wollte. IT-Kenntnisse hätten mir dabei geholfen, aber ich hatte sie nicht. Das hat mich so frustriert, dass ich mich plötzlich für Informatik interessierte. Ich habe mich sowohl für Informatik als auch für Architektur an der RWTH beworben. Am ersten Tag der Einschreibung hatte ich beide Immatrikulationsbescheinigungen in der Hand – und habe mich in letzter Sekunde für Informatik entschieden.

Der Einstieg war dann extrem hart. Ich habe den Mathevorkurs gemacht und saß in einem riesigen Hörsaal mit 500 Leuten. Der Professor erklärte angeblich Abiturstoff – aber mir kam nichts davon bekannt vor. Ich habe nichts verstanden und dachte: Habe ich das falsche Abitur gemacht? Auch die ersten Informatikvorlesungen waren überwältigend. Überall Formeln, Buchstaben statt Zahlen, und ich war komplett lost.

Gab es einen Moment, in dem du dachtest, du musst aufgeben?

Ja. Mein erstes Jahr war eine absolute Katastrophe. Ich bin durch mehrere Klausuren gefallen und habe mich irgendwann gefragt: Bin ich einfach zu dumm für dieses Studium? An der RWTH hat man drei Prüfungsversuche pro Fach. Besteht man den dritten nicht, gibt es nur noch eine letzte mündliche Prüfung – besteht man die auch nicht, wird man exmatrikuliert. Ich war an diesem Punkt. Ich habe damals wirklich alle Register gezogen, um zu bestehen – und es hat geklappt. Danach meinte mein Prüfer: "Ich glaube nicht, dass irgendeiner meiner Kollegen Sie von dieser Uni werfen wird." Das war der Moment, in dem ich dachte: Okay, es liegt nicht an meiner Intelligenz, sondern an meiner Art zu lernen.

Wie hast du deine Lernstrategie verändert?

Ich habe mir ein Buch gekauft: A Mind for Numbers. Die Autorin war genau wie ich: sprachaffin, hasste Mathe – und wurde später Professorin für Ingenieurwissenschaften. Ich dachte, wenn sie das geschafft hat, kann ich das auch. Außerdem habe ich angefangen, anders zu lernen:

Ich habe mir eine Lerngruppe mit Leuten gesucht, die besser waren als ich. Ich habe jede dümmste Frage gestellt – und das hat alles verändert. Ich habe auch gelernt, das Pensum zu reduzieren. Statt fünf bis sechs Klausuren pro Semester habe ich drei geschrieben – und plötzlich bestanden.

Gredas Lernzettel

Gibt es Professorinnen oder Kurse, die dich besonders inspiriert haben?

Ja, Prof. Erika Ábrahám. Sie war die erste weibliche Informatik-Professorin, die ich hatte, und hat meine Bachelorarbeit betreut. In der Informatik gibt es nicht viele Professorinnen, besonders im Bachelor nicht. Zu sehen, dass Frauen auch in der Forschung präsent sind, war super inspirierend. Mein Lieblingskurs war „Designing Interactive Systems" von Prof. Jan Borchers. Dort ging es um User Experience Design (UX), und ich habe gemerkt, dass ich nicht nur Informatik mag, sondern auch das Kreative darin. Das hat meinen Wunsch bestärkt, in UX zu arbeiten.

Wie hast du neben dem Studium praktische Erfahrungen gesammelt?

Ich habe verschiedene Werkstudentenjobs gemacht, unter anderem bei der Deutschen Bahn im Cybersecurity Management und bei der Inform GmbH im UX-Design. Die RWTH bietet viele Jobmessen und Karriere Events, die Studierenden helfen, Unternehmen kennenzulernen. Auch wenn ich meine aktuelle Stelle nicht über eine Messe gefunden habe, finde ich solche Events sehr wertvoll, um sich über Einstiegsmöglichkeiten zu informieren.

Wie erlebst du den Zusammenhalt unter den Studierenden an der RWTH?

Ich habe das Gefühl, dass man ohne eine gute Gruppe nicht weit kommt. Niemand überlebt dieses Studium als Einzelkämpferin. Ich hatte das Glück, eine Gruppe von Leuten zu finden, mit denen ich lernen konnte – das hat einen riesigen Unterschied gemacht. Auch WhatsApp-Gruppen sind super hilfreich, weil man dort schnell Fragen klären kann.

Du hast am Femtec Career-Building Programm teilgenommen. Welche Erfahrungen hast du dort gemacht und wie hat es dich in deiner beruflichen Entwicklung unterstützt?

Das Programm bietet Workshops und Exkursionen zu Unternehmen, die MINT-Studentinnen in ihrer beruflichen und persönlichen Entwicklung fördern. Besonders wertvoll bei meiner Femtec Journey war für mich der Austausch mit den anderen 'Femteccies', einer Peer Group von Gleichgesinnten, was als Informatikstudentin, in einem überwiegend männlichen Umfeld, besonders bereichernd war. Ich habe dort auch Freundschaften geschlossen und tausche mich mit ihnen auch heute, wo das Programm schon längst absolviert ist, über diverse Themen aus.

Du bist im Digital Shapers Programm von TechLabs Aachen e.V. – was machst du dort?

TechLabs ist ein Bootcamp, bei dem man verschiedene IT-Bereiche kennenlernen kann. Ich bin im UX-Track und arbeite mit einem Team an einer Kollaborationsplattform für Robotics. Das Programm ist besonders gut für Leute, die in neue Tech-Bereiche reinschnuppern wollen. Ich mache es aber vor allem, um mein Portfolio aufzubauen, weil das im UX-Bereich sehr wichtig ist.

Was sind deine drei wichtigsten Tipps für angehende Informatik-Studentinnen?

  1. Lerngruppen sind essenziell. Niemand überlebt dieses Studium als Einzelkämpferin. Fragt Kommilitonen, sucht euch Lerngruppen und nutzt die RWTH Informatik Communities auf WhatsApp oder Telegram.
  2. Lasst euch nicht von negativen Kommentaren beeinflussen. Manche werden sagen: "Diese Klausur ist unmöglich zu bestehen". Das stimmt nicht – es kommt auf die richtige Strategie an.
  3. Nutzt alle Ressourcen, die ihr kriegen könnt. YouTube, andere Uni-Skripte, StudyDrive, Professorensprechstunden – oft bringen sie mehr als die Vorlesung selbst.

Wohin soll dein Weg nach dem Master gehen?

Ich will in den UX-Bereich gehen! Deshalb habe ich meinen Master so ausgerichtet, dass ich möglichst viele Kurse in diese Richtung belege. Mein nächstes Ziel ist es, meine Masterarbeit im Bereich UX zu schreiben – und danach einen festen Job in der Branche zu finden.

Gredas Abschlussbild

Informatik ist kein Studium für Einzelkämpfer*innen. Gredas Weg zeigt, dass Informatik kein einfacher Studiengang ist – aber mit den richtigen Strategien und Durchhaltevermögen ist es machbar. Ihr Tipp für alle, die an der RWTH Aachen oder anderswo Informatik studieren wollen? "Sucht euch Unterstützung, lasst euch nicht entmutigen und findet die Lernmethoden, die für euch funktionieren." Ein starkes Netzwerk kann dabei helfen – sei es durch Lerngruppen, Mentor*innen oder Programme wie das Femtec Career-Building Programm, das MINT-Studentinnen mit Trainings und Unternehmens-Exkursionen unterstützt. Mehr hilfreiche Ressourcen für dein Studium? Schau dir unseren ITgirls-Blogbeitrag mit den besten Websites für dein Studium an.

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